Der freie Platz nördlich des Magdeburger Domes ist für Archäologen ein wahres El Dorado. Unmittelbar südöstlich der von Ernst Nickel in den 1960er Jahren entdeckten und seit kurzem in Sandstein obertägig sichtbar gemachten Befunde wurde Im August 2001 ein Grab mit Deckplatten (aus Sandstein bzw. Schillkalk) und darüberziehender Steinpackung freigelegt (Bild rechts oben).

Eine zeitliche Einordnung in das 10.-12.Jahrhundert ist  wahrscheinlich. An datierenden Funden liegen bisher zwei Tonscherben des 9./10. Jahrhunderts nach Chr. vor, gefunden unmittelbar westlich der Gruft.

Von besonderer Bedeutung ist, dass die alten Grabungsflächen auf begrenzter Fläche nach Osten hin erweitert werden können. Hier deuten sich neue Erkenntnisse zur Interpretation der Nickelschen Grabungsergebnisse an.

Während Ernst Nickel von der aula regia Otto des Großen (936-973) ausgegangen war (häufig Pfalz genannt), also vom zentralen weltlichen Bau innerhalb des Pfalzbezirkes, schlug Babette Ludowici eine Ansprache als Kirchenbau mit mehreren Nutzungsphasen vor.

Das Auffinden der Gruft macht eine Deutung der Anlage als kirchlichen Bau wahrscheinlicher. Erwähnenswert sind mehrere noch undatierte Körpergräber, darunter auch Baumsärge "innerhalb" des Gebäudes.

Eine circa 30 cm nördlich der Gruft entdeckte Fundamentausbruchgrube paßt in Lage und Verfüllung als Südmauer zur südlichen Apsis von Phase I nach Ludowici (im Plan unten orange). Die Gruft selbst und die dazugehörige Steinpackung sind vergleichbar orientiert wie der Bau auf dem Domplatz.

Die freigelegte Grabkammer im Hintergrund, Stand Januar 2002. Am linken Bildrand die Oberschenkel einer teilweise noch im Profil steckenden Bestattung.

Vorne rechts auf dem Foto oben deutet sich als heller Fleck eine spätbronzezeitliche Grube an. Sie enthielt die stilisierte Vogelfigur, die rund 3000 Jahre alt ist.

 

Eine Kinderbestattung im Baumsarg, gefunden im Dezember 2001, circa 2m nördlich der Gruft.