Bronzene Prunkaxt von Naumburg / Sachsen-Anhalt
1800-1600 v.Chr.
 
 
Hortfund von Dieskau / Sachsen-Anhalt
2000-1700 v.Chr.
 
 
Hortfund von Nebra / Sachsen-Anhalt
1600 v.Chr.
 
   
 
 

Inhalt der Ausstellung

Die Himmelsscheibe von Nebra ist inzwischen weit über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt. Die große Faszination, die sie auf Menschen verschiedensten Alters und unterschiedlichster Herkunft ausübt, spiegelt sich in den überaus gut besuchten Vorträgen im In- und Ausland und einer beinahe unüberschaubaren Menge von Zuschriften und Anfragen, die das Landesmuseum für Vorgeschichte erhält. Diesem großen Interesse des Publikums geschuldet soll der Schatz von Nebra nun, nach dem Abschluss der Restaurierung, den ersten naturwissenschaftlichen und astronomischen Untersuchungen und dem Beginn der wissenschaftlichen Bearbeitung im Rahmen einer Landesausstellung angemessen präsentiert werden. Ausgangspunkt dieses Vorhabens waren die immer wiederkehrenden Fragen der Menschen zur Fertigung, Nutzung, Verbergung und Bedeutung des Fundes.

Der erste Themenbereich widmet sich der Frage nach Mythen und Riten der Bronzezeit in Nord- und Nordmitteleuropa, die uns das einzigartige Bild der Himmelsscheibe besser verstehen lassen. Neben den Gestirnen erscheint das Schiff als mythisches Element in seiner Fahrt über den Himmelsozean hier zum ersten Mal in Europa überliefert. Vielleicht wurde es als Träger des Vollmondes oder der Sonne erklärt. Der Gedanke des Sonnentransports fand bislang seinen ältesten Nachweis in dem berühmten Sonnenwagen von Trundholm. Die Sonne bewältigt hier ihre tägliche und nächtliche Himmelsreise mit Hilfe eines Pferdes. Dieser Mythos findet später Ausdruck in zahlreichen Bildern auf Felsgestein und Bronzegegenständen. Das Schiff erscheint als Tempel der Sonnenverehrung.

Die Scheibe wurde vor 3600 Jahren zusammen mit wertvollen Schwertern, Schmuck und Gerät auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra niedergelegt. Sie ist nur einer von zahlreichen überlieferten Hortfunden, deren Verbreitung in der Bronzezeit ganz Europa netzartig überspannt. Diese Metalldeponierungen, ihre Eigenarten und Deutungen stehen im Mittelpunkt des zweiten Themenbereiches. Die Hortfunde in Mitteldeutschland zwischen Beginn und Ende der Bronzezeit, zwischen Beil und Sichel, bieten ein einprägsames Bild dieses religiösen Phänomens.

Der natürliche Reichtum Mitteldeutschlands -Kupfer, Salz und Bodengüte - bildete die Machtgrundlage der hier ansässigen Fürsten der Frühbronzezeit. Mächtige Grabanlagen, umfangreiche Bronzeschätze, Goldschmuck und einzigartige Prunkwaffen sind als ihre Statussymbole überliefert. Viele dieser Symbole wurden mehr als tausende Kilometer entfernt in weiten Teilen Europas verstanden und verwendet. Die Fürsten von Leubingen und Helmsdorf waren Teil einer großen Gemeinschaft. Diese weite Welt im Herzen Europas bildet den Rahmen des dritten Themenbereiches.

Die Ausstellung zeigt mehr als 1600 Exponate aus den Magazinen des Landesmuseums Halle und von 68 Leihgebern aus 18 verschiedenen Ländern. In einer außergewöhnlichen Inszenierung wird das Zeitalter der Himmelsscheibe zu neuem Leben erweckt. Die einzigartige Zusammenschau von Originalfunden umfasst neben dem Bronzeschatz von Nebra so weithin bekannte Objekten wie den Sonnenwagen von Trundholm (DK), die Becken von Hasfalva (H) und Balkakra (S), die Goldschale von Zürich-Altstetten (CH), Grabausstattungen aus La Motta (F), Bush Barrow (GB), Thun-Renzenbühl (CH), Quinta da Agua Branca (P), Leki Male (PL) und Drouwen (NL). Erstmals außerhalb der englischsprachigen Welt wird eine Nachbildung der Grabausstattung des Bogenschützen von Amesbury (GB) gezeigt - eines der spannendsten Ensemble der letzten Jahre bei der Frage nach weiträumigen Kontakten. Zudem werden einige der viel diskutierten Funde aus dem Mittelmeerraum direkt mit einheimischen Vergleichen konfrontiert: ein Dieskauer Ösenring (Sachsen-Anhalt) neben einem aus Byblos (RL), Lanzenspitzen aus Kyhna (Sachsen) und Amorgos (GR). Neben Bekanntem ist jedoch auch für den Fachmann viel Neues zu entdecken. Dazu zählen wichtige mitteldeutsche Neufunde aus den letzen Jahren, die im Rahmen der Ausstellung erstmals präsentiert werden wie der Depotfund von Kötzschen und der Barrenfund von Schackstedt (beide Sachsen-Anhalt).