Inhalt der Ausstellung
Die Himmelsscheibe von Nebra ist inzwischen
weit über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt. Die große Faszination, die
sie auf Menschen verschiedensten Alters und unterschiedlichster
Herkunft ausübt, spiegelt sich in den überaus gut besuchten
Vorträgen im In- und Ausland und einer beinahe unüberschaubaren
Menge von Zuschriften und Anfragen, die das Landesmuseum für
Vorgeschichte erhält. Diesem großen Interesse des Publikums
geschuldet soll der Schatz von Nebra nun, nach dem Abschluss der
Restaurierung, den ersten naturwissenschaftlichen und astronomischen
Untersuchungen und dem Beginn der wissenschaftlichen Bearbeitung im
Rahmen einer Landesausstellung angemessen präsentiert werden.
Ausgangspunkt dieses Vorhabens waren die immer wiederkehrenden
Fragen der Menschen zur Fertigung, Nutzung, Verbergung und Bedeutung
des Fundes.
Der erste Themenbereich widmet sich der Frage
nach Mythen und Riten der Bronzezeit in Nord- und Nordmitteleuropa,
die uns das einzigartige Bild der Himmelsscheibe besser verstehen
lassen. Neben den Gestirnen erscheint das Schiff als mythisches
Element in seiner Fahrt über den Himmelsozean hier zum ersten Mal in
Europa überliefert. Vielleicht wurde es als Träger des Vollmondes
oder der Sonne erklärt. Der Gedanke des Sonnentransports fand
bislang seinen ältesten Nachweis in dem berühmten Sonnenwagen von
Trundholm. Die Sonne bewältigt hier ihre tägliche und nächtliche
Himmelsreise mit Hilfe eines Pferdes. Dieser Mythos findet später
Ausdruck in zahlreichen Bildern auf Felsgestein und
Bronzegegenständen. Das Schiff erscheint als Tempel der
Sonnenverehrung.
Die Scheibe wurde vor 3600 Jahren zusammen mit
wertvollen Schwertern, Schmuck und Gerät auf dem Gipfel des
Mittelberges bei Nebra niedergelegt. Sie ist nur einer von
zahlreichen überlieferten Hortfunden, deren Verbreitung in der
Bronzezeit ganz Europa netzartig überspannt. Diese
Metalldeponierungen, ihre Eigenarten und Deutungen stehen im
Mittelpunkt des zweiten Themenbereiches. Die Hortfunde in
Mitteldeutschland zwischen Beginn und Ende der Bronzezeit, zwischen
Beil und Sichel, bieten ein einprägsames Bild dieses religiösen
Phänomens.
Der natürliche Reichtum Mitteldeutschlands -Kupfer, Salz und Bodengüte - bildete die Machtgrundlage der hier
ansässigen Fürsten der Frühbronzezeit. Mächtige Grabanlagen,
umfangreiche Bronzeschätze, Goldschmuck und einzigartige Prunkwaffen
sind als ihre Statussymbole überliefert. Viele dieser Symbole wurden
mehr als tausende Kilometer entfernt in weiten Teilen Europas
verstanden und verwendet. Die Fürsten von Leubingen und Helmsdorf
waren Teil einer großen Gemeinschaft. Diese weite Welt im Herzen
Europas bildet den Rahmen des dritten Themenbereiches.
Die Ausstellung zeigt mehr als 1600 Exponate
aus den Magazinen des Landesmuseums Halle und von 68 Leihgebern aus
18 verschiedenen Ländern. In einer außergewöhnlichen Inszenierung
wird das Zeitalter der Himmelsscheibe zu neuem Leben erweckt. Die
einzigartige Zusammenschau von Originalfunden umfasst neben dem
Bronzeschatz von Nebra so weithin bekannte Objekten wie den
Sonnenwagen von Trundholm (DK), die Becken von Hasfalva (H) und Balkakra (S), die Goldschale von Zürich-Altstetten (CH),
Grabausstattungen aus La Motta (F), Bush Barrow (GB),
Thun-Renzenbühl (CH), Quinta da Agua Branca (P), Leki Male (PL)
und Drouwen (NL). Erstmals außerhalb der englischsprachigen Welt
wird eine Nachbildung der Grabausstattung des Bogenschützen von
Amesbury (GB) gezeigt - eines der spannendsten Ensemble der letzten
Jahre bei der Frage nach weiträumigen Kontakten. Zudem werden einige
der viel diskutierten Funde aus dem Mittelmeerraum direkt mit
einheimischen Vergleichen konfrontiert: ein Dieskauer Ösenring
(Sachsen-Anhalt) neben einem aus Byblos (RL), Lanzenspitzen aus
Kyhna (Sachsen) und Amorgos (GR). Neben Bekanntem ist jedoch auch
für den Fachmann viel Neues zu entdecken. Dazu zählen wichtige
mitteldeutsche Neufunde aus den letzen Jahren, die im Rahmen der
Ausstellung erstmals präsentiert werden wie der Depotfund von
Kötzschen und der Barrenfund von Schackstedt (beide Sachsen-Anhalt).