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Bis zur Entdeckung und Ausbeutung der
Erdölvorräte im 19. Jahrhundert und dem damit aufkommenden Petroleum standen den
Menschen nur zwei künstliche Lichtquellen zur Verfügung:
Holz- und Kienspanfeuer oder aber Dochtleuchten. Erstere haben den Nachteil, dass sie kein
ruhiges Licht abgeben, bei dem man einer konzentrierten Beschäftigung nachgehen könnte.
Sie flackern, rußen, und bedürfen der intensiven Betreuung
(davon an anderer Stelle mehr).
Zu einer gleichmäßigen, ruhigen
Beleuchtung, wie man sie für die meisten produktiven Verrichtungen benötigte - etwa
Nähen, Weben, Auf- und Zubereiten von Nahrung, Lampenbauen - eignen sich nur
Dochtleuchten, d.h. Kerzen oder Talg-, Tran- und Öllampen. Als Brennmittel
eigneten sich dafür jedoch nur Fette und Wachse.
Schon eine kleine, ca. 2-3 cm hohe Ölflamme (Lichtstärke etwa die einer Kerze) verbraucht 8 g Öl pro Stunde (Baumwolldocht, ca 1 cm lang, 0,5 cm dick). Dies entspricht einem "Nährwert" von etwa 300 KJ pro Stunde bzw. 7296 KJ pro Tag. Dies ist etwa der durchschnittliche Energiebedarf eines Menschen. Und eine solche Flamme reicht gerade einmal zu einer notdürftigen Beleuchtung. Ausbeute: ca. 0,1 Lumen/Watt, wie Messungen am LfA ergeben haben. Der Energieverbrauch ist gewaltig - eine solch einfaches Lichtlein hat eine Leistungsaufnahme von 85 Watt. Eine größere Flamme (1,5 cm Docht, 0.5 cm Dicke, Höhe der Flamme ca. 5 cm, leicht rußend) verbraucht schon 20 g Öl pro Stunde, das sind 760 KJ pro Stunde, der Energieverbrauch beträgt damit schon über 200 Watt (Man vergleiche dies mit der Lichtausbeute einer 200-Watt Halogenlampe!). Selbst die ausgereiften römischen "Firmalampen" stehen zwar mit 0,15-0,2 Lumen/Watt geringfügig besser da, aber auch sie lösten das Grundproblem nur marginal. Selbst mit der aufsehenerregenden Erfindung der "Argandlampe" mit Glaszylinder zu Ende des 18. Jahrhunderts (die eine Ausbeute von bis zu 0,25 Lumen/Watt ergab), blieb Licht (Lux) ein teurer Luxus.
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Der in der Ausstellung gezeigte römische Kandelaber mit 12 solcher Flammen hat einen stündlichen Ölverbrauch von 240 g Öl. Künstliche Beleuchtung als Nahrungskonkurrent ? Prinzipiell ist das bei Kerzen nicht anders. |
Ihre Energiebilanz ist ähnlich, bei Talgkerzen wird auch prinzipiell Essbares verbrannt. Bienenwachs selbst ist zwar kein Lebensmittel, aber seine Verfügbarkeit ist begrenzt - es ist Nebenprodukt der Honiggewinnung, und daher auch eher den Luxusgütern zuzurechnen. "Luxuria" (Luxus) als Ableitung von "lucem urere" (Lichtbrennen) ? |
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| Vielleicht ist das der Grund, weswegen sich in Mitteldeutschland so wenig archäologische Zeugnisse künstlicher Beleuchtung finden lassen? Klischeehaft gesagt: Während zumindest die soziale Oberschicht im 2. - 4. Jahrhundert im nur 400 km (Luftlinie) entfernten römischen Köln sich dem fröhlichen Nachtleben im Scheine luxuriöser Leuchter oder einfacher Lämpchen frönte - war im hiesigen "Barbaricum" ab Sonnenuntergang "nichts mehr los" ? Was taten die Menschen in den langen Winternächten mit 16 Stunden Dunkelheit ? Wenn Licht tatsächlich ein so hohes Luxusgut war, bleibt die Frage: Was machte der Mensch im Dunkeln ? Viele produktive Tätigkeiten kann er eigentlich nicht verrichtet haben. Könnte das - neben vielen anderen Gründen - Ursache sein, weshalb die Zivilisation der nördlichen Länder lange Zeit nicht an die des mediterranen Siedlungsraumes heranreichte - mangelnde Produktivität, weil keine Ölüberschüsse zur Beleuchtung vorhanden waren ? Die ohnehin knappen Lebensmittelvorräte im Winter wird man sicher nicht unnötig in Lampen verbrannt haben.... Im Mittelalter sah der gemeine Mensch in hiesigen Breiten künstliches Licht fast nur in den Kirchen. Lichter und Leuchter sind ein Zeichen von Pracht und (göttlicher "Herrlichkeit"), und Licht ist ein wichtiges religiöses Motiv, wie an anderer Stelle noch ausgeführt werden soll. |
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Nicht erst seit Erfindung des Rapsdiesels: Sachsen-Anhalts Ölfelder weisen den Weg aus der Energiekrise |