|
|
|
|
|
| Einfache Schalenlampen haben einen Nachteil: will man die Dochte an den Rand legen, damit sie möglichst wenig abgeschattet werden, so kann es passieren, dass sie vom Rand herabrutschen. ( Aus Archäologensicht haben sie auch einen anderen Nachteil: sie lassen sich nämlich nicht eindeutig als Lampen identifizieren - es sei denn, sie haben eindeutige Schmauchspuren ) |
| Im mediterranen Raum entwickelte sich erst in der späten Bronzezeit ein neuer, praktischer Lampentyp. Eine einfache, meist auf der Töpferscheibe gedrehte Tonschale wird an einer oder mehreren am Rande so zusammengekniffen, dass Schnauzen entstehen, in die man den Docht sicher einlegen kann. Vorteil: der Docht liegt außerhalb der Schale, die Lichtausbeute wird höher, da die Leuchte weniger Eigenschatten wirft. Das zuströmende Brennmaterial wird in der engeren Schnauze durch die Flammhitze auch etwas stärker vorgewärmt als in der einfachen Schalenlampe. Luft kann besser an die brennenden Flamme gelangen, die Flamme wird (wenn auch nur geringfügig) heißer, und damit heller. Erste Lampen dieser Art werden in das 9. Jahrhundert n. Chr. datiert (Mlasowskky 1993, S. 16). | |
|
Exponat 13 : Nachbau einer "typischen" mediterranen frühen Schnauzenlampe (Keramik) |
|
|
|
Seit dem Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein benutzte man in den Erzgruben einfache, offene Lampen, in denen meistens Talg ("Unschlitt") verbrannt wurde. Das Bauprinzip des "offenen Frosches" unterscheidet sich nicht von den frühen Fett/Öllampen, wie sie in der Bronzezeit aufgekommen waren. Die Lampenschüssel bestand aus Keramik (erst später aus Metall), als Docht diente ein Strang Pflanzenfasern, oft auch ein kleiner, kurzer Kienspan. Die Beschaffung der Leuchtstoffe (d. h. der Fette) für die Gruben war ein erheblicher Kostenfaktor, und Engpässe bei der Fettbeschaffung (z.B. in Hunger- und Notzeiten) konnten den Betrieb der Gruben zum Erliegen bringen (vgl. Palme 1997). Die Lampen hingen an einem hölzernen, ca. 60 cm langen Stiel (später an einer Metallkette). Der Bergmann trug die Lampe an diesem Stiel so, dass die Lampe knapp über dem Boden hing. Das verhinderte, dass die Lampe den Bergmann blendete und gewährleistete einen sicheren Tritt. (Abb. links: aus G. Agricolas De re Metallica von 1556, Ausschnitt aus dem Holzstich "Feuersetzen")
|
|
![]() |
Exponat 14:
|
|
|
... und im archäologischen Fundmaterial
lassen sich hin und wieder bleiglasierte Schalen mit kurzer Schneppe finden.
Dazu sei ein kurzer Link zur "Konkurrenz", dem Landesamt für Archäologie in
Dresden, auf den Fund des Monats Dezember 2000, verwiesen. Selten sind diese
glasierten mittelalterlichen Schälchen mit Schneppe allerdings noch, und erst in
der frühen Neuzeit nimmt das Fundmaterial deutlich zu...
![]() |
Exponat 15 |
|
|
Der Leuchter von Schwerzau, von dem bereits an anderer Stelle die Rede war, ist in lichttechnischer Hinsicht noch kein besonderer Fortschritt. Hierin ist er den 1300 Jahre älteren römischen Öllampen noch weit unterlegen. Der Leuchter stammt aus dem 16. Jahrhundert, besteht aus Steinzeug und ist mit einer grünen Bleiglasur überzogen. Konstruktiv handelt es sich um eine der üblichen offenen Frösche, allerdings auf einen hohen Ständer gestellt. Eindeutig ist, dass der Leuchter mit Öl betrieben wurde, nicht mit Talg. Brennmittel war vermutlich Raps- oder Rüböl, wie an anderer Stelle ausgeführt wurde. Wenn der Docht, der in der wenig ausgezogenen Schnauze lag, brannte, lief immer wieder Öl vom Docht über die Schnauze nach außen ab. Dieses Problem ist allen derartigen einfachen Schalenlampen mit schneppenartiger Schnauze gemein. Interessant ist, wie in dem frühneuzeitlichen Leuchter das Problem Ölverlust gelöst wird: Das Öl, das von der Schnauze her entlang des Ständers ablief, wurde in der unteren ringförmigen Schale aufgefangen, von wo es durch zwei dafür angebrachte Löcher in das Innere des hohlen Fußes lief. Hatte sich genug Öl im Fuß angesammelt, konnte man es wieder aus der unteren kleinen Tülle herausgießen und wieder verwenden. Die Konstruktion zeigt auch, dass die Lampe für Öl und nicht für Talg vorgesehen war: Talg wäre beim Ablaufen erkaltet, und hätte die Lampe ähnlich aussehen lassen, wie die Chiantiflaschen mit Tropfkerzen, wie sie in den 70er Jahren in keiner "Teestube" fehlen durfte. |
|||
|
Krüsel sind die jüngste Sorte der primitiven Öllampen. Es sind in der Regel offene Froschlampen (Schalenlampe mit Schnauze). "Krüsel" ist eigentlich eine Bezeichnung für sehr primitive Frösche. So auch bislang in der Literatur verwendet ( s. Trilux-Lenze 1987). Da bei den meistens aus Metall gefertigten Fröschen im 17. Jahrhundert eine entscheidende Neuerung eintritt, soll der Begriff Krüsel hier nur für die folgende spezifische Konstruktion verwendet werden: Um den Ölverlust auf ganz einfache Weise zu beheben, erhält die Lampe, meistens eine sehr primitive Metallschale, eine kleine Lamelle auf den Boden gelötet. Die Lamelle wird so hochgebogen, dass der Docht etwas über der Schnauze auf dieser Lamelle zu liegen kommt. Wenn beim Brennen Öl vom Docht abläuft, kriecht es an der Lamelle entlang wieder in die Schale zurück. Die Entwicklung dieser "Innovation" kann man sogar verfolgen: Vorgänger dieser Konstruktion waren doppelte Schalen, die man ineinander stellte. Die obere Schale war die Lampe, die untere diente zum Auffangen des abgelaufenen Öls. Krüsel wurden in verschiedenen Varianten
gebraucht: als Hängekrüsel, meistens mit einer gebogenen metallenen Aufhängung (wie bei
einem "Sessellift"), oder auch mit einem Fuß versehen, als Standkrüsel. Diese
Krüsel sorgten bis in das 19. Jahrhundert hinein für die Beleuchtung in einfachen
Haushalten. Sie wurden auf sehr einfache Weise vom Schlosser, oder auch im Privathaushalt
zum eigenen Bedarf selbst hergestellt. Die Bauanleitung ist einfach, so dass der Autor
bastelfreudigen Heimwerkern den Nachbau solcher Lampen empfehlen kann. Material: Messing,
Kupfer oder Eisenblech, notfalls Blech von Konservendosen, Lötzinn, Blechschere, Hammer
(zum Treiben der Mulde) . Der Vorteil dieser einfachen Konstruktion ist auch, dass man
alles gerade verfügbare Fett oder Öl verwenden konnte: Talg, Schmalz, Rapsöl....
|