Das Bauprinzip der entwickelten Öllampen hat sich bereits im klassischen Griechenland herausgebildet. Sie lassen sich von den früheren, offenen Lampen  herleiten. 
Im 5. Jh. v. Chr. erfahren die offenen Schnauzenlampen eine erste Verbesserung: Die Schnauze wird mit einem Steg überbrückt, der Docht damit besser gehalten, und die Flamme daran gehindert, entlang des Dochtes in das Innere der Schale vorzudringen.
Im hellenistischen Griechenland des 4. Jh. v. Chr. werden die Schnauzen verlängert und wie die Tüllen einer Kaffeekanne geschlossen. Der Ölbehälter erhält zudem meistens eine kleinen Zapfen oder Öse, an die man ein wichtiges Zubehörteil, eine Dochtzange oder eine Dochtnadel, befestigen kann. Viele dieser Lampen werden nämlich auf einen Ständer gestellt, oder an der Decke aufgehängt. Die Ränder der Schalen, die nun nur noch die Funktion des Brennstoffreservoirs haben, werden nach innen eingezogen, oft erhalten sie noch einen Deckel als Verschluss.

 

Exponat 17:
 

Hellenistische Hängelampe aus Keramik (Nachbildung)

Eine besonders praktische Hängelampe entsteht: aus der Mitte des Behältnis ragt ein langer Zapfen heraus, der durch einen ringförmigen, frei beweglichen Deckel stößt. Am oberen Ende läuft der Zapfen in eine Öse aus, die zum Aufhängen der Lampe dient. Der Schwerpunkt der Lampe gerät damit weit unter den Drehpunkt. Damit wird die Lampe im Gleichgewicht gehalten. Diese ausgereifte Konstruktion verhindert auch, dass der Deckel verloren gehen kann.

 

   


Im 3. Jh. vollzieht sich die Entwicklung der Matrizenlampe. Hier handelt es sich um Lampen mit langer Schnauze, die Schale ist vollkommen geschlossen, bis auf ein kleines Loch zum Nachfüllen des Öls. Der Name "Matrizenlampen" rührt daher, dass diese Lampen nicht gedreht oder frei geformt werden, sondern aus einer zweiteiligen Form (Matrize) hergestellt werden. Insbesondere die Schalenoberseite erhält ornamentale Verzierung (deren Anfertigung sich lohnte, weil sie aus der Negativform in großen Stückzahlen hergestellt werden konnten). Die Oberseite der Schnauze ist häufig plan.


Eine ähnliche Lampe ist die Diskuslampe, sie tritt in Italien im 1. Jh. v. Chr. auf. Sie besitzt eine längere oder kürzere Schnauze, die am vorderen Ende breiter ausläuft, oft zeigt sie am Ansatz sowie am Ende volutenartige Ausprägung. Ob diese Ausformung nur rein dekorativer Funktion ist, muss noch untersucht werden. Auffällig ist, dass mit der axtförmigen Verbreiterung der Schnauzenabschlüsse auch die Dochtlöcher größer werden. Es ist denkbar, dass man aus den sehr großen Löchern mehrere einzelne Dochte herauszog, die dann rings um das Dochtloch seitlich zu liegen kamen, bevorzugt an der breiten Spitze, denn  dort gibt es die größte Lichtausbeute.



Die Lampenschale ist nun flach abgedeckt, der nicht abnehmbare Deckel ("Spiegel") trägt ein Loch zum Einfüllen des Öles. Er ist leicht nach innen zum Ölloch hin abgesenkt und mit einer begrenzenden Schulter versehen. Dies erleichtert das Einfüllen des Öls. Der Lampenspiegel  verhindert auch, dass das Öl beim Umhertragen überschwappt, und er macht die Lampe auch sicherer: er vermeidet, dass sich das Öl infolge Überhitzung im Vorratsbehälter  entzündet (eine Gefahr, die bei Keramiklampen weniger besteht als bei metallenen Lampen). Der Spiegel ist in aller Regel mit figürlichen oder ornamentalen Reliefs geschmückt.

 

Freier Nachbau einer römischen Lampe (Loeschke I b), mit einem beliebten Motiv im Lampenspiegel: die Büste des Gottes Pan, einem der grotesk fröhlichen, ständig zu groben Schabernack aufgelegten Begleiter des Dionysos. Als Vorlage für den Pan haben wir die Pan-Büsten des Dreifußes von Gommern verwendet. 


 


Das Motivspektrum ist vielseitig   - den heutigen "Sammeltassen" nicht unähnlich. Aus den Diskuslampen entwickelt sich im 1. Jh. die Volutenschnauzenlampe, sie zeichnet sich durch eine in der Mitte mehr oder weniger stark eingeschnürte Schnauze aus, die von Volutenspangen eingefasst sind. Diese Lampen sind - seit dem letzten Viertel des 1. Jh. n. Chr. bis hin in das 2. Jh. n. Chr. eines der gängigsten Lampentypen. Die Ausformung dieser Typen ist derart zeittypisch, dass sie seit den Arbeiten von Loesche zur Datierung wie ein "Leitfossil" immer wieder gerne herangezogen werden. Da in dieser Abhandlung jedoch versucht werden soll, vorgeschichtliche und antike Lampen hinsichtlich ihrer Funktionsweise - und Entwicklung zu untersuchen, sei  dieses Thema hier nicht weiter behandelt.


 

Exponat (e) 18

Freier Nachbau eines "römischen" Kandelabers mit diversen römischen Lampen des 1.-2. Jahrhunderts

Der Nachbau ist eine Improvisation: als Ständer dient ein Teil einer gründerzeitlichen Treppe, der Fuß besteht aus bronziertem Gips. Die originalen "Vorbilder" der römischen Antike sahen ähnlich aus - sie bestanden allerdings meistens aus Bronze. Auf dem Kandelaberschirm standen die Öllämpchen, vermutlich in einem Sandbett, ähnlich wie die in griechischen Kirchen noch heute üblichen Kandelaber.
 

 

Das Formenspektrum römischer Lampen  ist vielseitig. Neben den Bildlampen entstanden auch figürliche Sonderformen, wie etwa die "Schuh-" oder "Kopflampen".

 

 

   

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Die Bildlampen wurden, ähnlich wie die Matrizenlampen, in Serienfertigung aus tönernen Modeln  gedrückt. Ein Positiv-Modell (aus Gips, Holz, Keramik) wird dazu mit weichem Ton abformt. Dazu wird weicher Ton auf die Oberseite des Modells aufgedrückt. Will man besonders feine Reliefs abformen, kann man einen etwas weicheren, fast schlickartigen Ton zunächst dünn aufschmieren, und auf diesen dann den festeren, knetbaren Ton aufdrücken. Wenn man die erste Formhälfte aufgedrückt hat, lässt man sie ein wenig stehen, dann werden die Formschlösser eingeschnitten, und die Kanten (als Trennmittel) mit Fett oder feinem, trockenen Tonpuder behandelt. Anschließend wird in gleicher Weise der Ton für die Unterseite aufgedrückt. Wenn die Form bis zum lederharten Zustand getrocknet ist, können die Formschalen abgehoben, getrocknet und bei ca. 900 Grad gebrannt werden.

Zur Herstellung der Lampen wird der Ton in die Modeln in etwa 5 mm dicker Schicht gedrückt (am besten in Form bereits ausgewalzter, gleichmäßig dicker Tonlappen (1-2)). 

Anschließend werden die Modelhälften aufeinander gepresst (3-4). Für feine Oberflächen kann zunächst ein Tonschlicker oder "Firnis" dünn in die Form eingerieben werden, bevor man die Tonlappen einlegt.

 

Nach etwa zwei Stunden kann die Lampe aus der Form genommen werden (5).

 

Nun müssen nur noch kleine Nacharbeiten ausgeführt werden (Bohrung der Löcher, Verputzen der Nähte, Henkel anmodellieren (6)).

 

Der Rohling wird nach völliger Trocknung wie gewöhnliche Keramik gebrannt.