Exponat 2

Kienspan  in einem mittelalterlichem "Maulaffen" aus Keramik (freier Nachbau)

 

Gegenüber dem zwar hellen, aber wild flackernden, stark heizenden und schwer kontrollierbaren Feuer bietet ein einzelner Kienspan gewisse Vorteile. Er brennt ruhiger ab, die Brandgeschwindigkeit kann reguliert werden, wenn man ihn mal stärker, mal weniger stark geneigt hält. Die Nachteile dieser Beleuchtung sind aber dennoch eindeutig: Der Span muss oft gewechselt werden, ein Stück von ca. 20 cm Länge brennt nur wenige Minuten. Die Flamme ist unruhig, und flackert, besonders dann, wenn man den Span nicht ständig in der Hand halten will, um seine Neigung zu kontrollieren.

 

 

 

 

 

Richtig gefährlich wird es, wenn einzelne Harzinseln im Span plötzlich "spratzen" oder "explodieren". Dann werden brennende Stückchen meterweit umhergeschleudert, die damit verbundene Feuergefahr ist groß.
Aus mittelalterlichen Darstellungen weiß man, dass die brennenden Späne oft im Mund gehalten wurden als eine Art "Taschenlampe". Brauchte man den Mund für andere Dinge, so steckte man den brennenden Span in einen tönernen Halter, der oft die Gestalt  eines menschlichen Kopfes mit offenen Mund hatte. Die Redensart "Maulaffen feilhalten" (von "Maul offen" rührt daher).

       

Kienspäne sind wohl seit der Altsteinzeit bis in das 19. Jahrhundert hinein in Mittel- und Nordeuropa das am weitesten verbreitete Beleuchtungsmittel gewesen. Alle anderen Leuchtgeräte und Lampen - Kerzen, Öllampen, Talglichter waren zumindest für die ärmeren Bevölkerungsschichten kaum erschwinglich bzw. im Betrieb zu teuer - aus Gründen, die wir hier nachlesen können...

       

Man konnte die Brenneigenschaften des Kienspanes deutlich verbessern, wenn man ihn mit etwas Fett oder Öl tränkte - da diese zusätzlichen Brennstoffe jedoch teuer waren, war das zumindest für die ärmere Bevölkerung eine kaum praktikable Lösung.