Elaven Phos: Licht in der griechisch-orthodoxen Kirche
Lampen und Kerzen sind aus Liturgie und Glaubenspraxis nicht wegzudenken und gehören - neben Ikonen - zu den wichtigsten Ausstattungsstücken sowohl großer Kirchen als auch kleinster Andachtskapellen am Straßenrand. Öllampen haben dabei die Rolle als "Dauerbrenner", während schmale Bienenwachskerzen zu kurzzeitigen, "prachtvollen" Illuminationen dienen. Das Entzünden und Verlöschen der Lichter hat in der Liturgie einen festen Platz. Lichtmystik ist wesentlicher Bestandteil des Hesychasmos (von Hesychia/Isichia, "Ruhe"), einer kontemplativ - mystischen Richtung des orthodoxen Christentums, die besonders in den Klöstern eine Rolle spielt. Der wichtigste orthodoxe Mystiker, Symeon der neue Theologe (Symeon Neos Theologos), einst Mönch im Studios-Kloster in Konstantiopel (949-1022 n. Chr.), verfaßte die 40 Lichthymnen, einer der Grundpfeiler des Hesychasmos.
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Die Mönche der Athosklöster vertreiben mit ihren Gottesdiensten, die von kurz nach Mitternacht bis zum frühen Morgen andauern, die Mächte der Finsternis. Eines der wichtigsten liturgischen Geräte ist dabei ein großer tonnenschwerer Radleuchter, der unter der zentralen Kuppel hängt. Während der Liturgie werden immer wieder Kerzen auf diesem Leuchter entzündet, wieder gelöscht und abermals entzündet. Ein Mönch versetzt den Leuchter mittels eines daran hängenden Griffes in kräftige Dreh-Pendelbewegungen, der Leuchter kreiselt dann während der Liturgie stundenlang, wie das Foukaultsche Pendel, in immer kleiner werdenden Bahnen im Raum. Die vergoldeten Ikonen, das Templon und das liturgische Gerät reflektieren die immer wieder neu aufflammenden Kerzen und verbreiten so eine magische Lichtstimmung. Nach Sonnenaufgang - den die Mönche nicht sehen - ist die Schlacht gegen die Mächte der Finsternis geschlagen - vorerst. Denn pünktlich zu Sonnenuntergang am nächsten Abend sind sie wieder da........ |
In die orthodoxen Gemeindekirchen dringt kaum Tageslicht, seit der mittelbyzantinischen Zeit sind die Fenster nur winzig klein. Das hat wenig mit den Kosten für Glas- oder Alabasterscheiben zu tun - denn die sind weitaus niedriger als die Kosten für die künstliche Beleuchtung (Lampen und Brennmaterial). Künstliches Licht in künstlicher Dunkelheit - kann man besser weltentrückte Jenseitigkeit inszenieren ?
In der orthodoxen Osterliturgie entzündet der Pfarrer zu Mitternacht in der völlig dunklen Kirche hinter der Ikonostase das Osterlicht, das er mit den Worten "elaven phos" (sie (die Erde) hat Licht bekommen) in Form eines Bündels brennender Kerzen in den Gemeinderaum bringt. Das nerue Licht symbolisiert die Auferstehung Christi. Die Gemeindemitglieder entzünden ihre mitgebrachten Kerzen an diesem Lichtt, tragen sie nach Hause, wo sie damit das ewige "Licht", eine kleine Öllampe mit Schwimmdocht entzünden, das dann - wenn man nicht vergißt, Öl nachzufüllen - das ganze Jahr hindurch, bis zum nächsten Karfreitag brennt.