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Wie im Kapitel
"Lichtausbeute"
ausgeführt,
kann man die Lichtausbeute steigern, wenn die Flammtemperatur erhöht wird. Dies gelingt durch Zufuhr von mehr Sauerstoff. Die theoretische
Erklärung des Einflusses von Sauerstoff auf die Temperatur eines Feuers
lieferten erst die Arbeiten des französischen Chemikers Lavoisier (1743 - 1794),
einem der wichtigsten Begründer der modernen Chemie.
Zwei seiner Schüler (Ferdinand Leger
und Francois Argand) gelten als die Erfinder der "modernen" Öl- und
Petroleumlampen mit Flach- oder Röhrendocht. Sie verbesserten die
Sauerstoffzufuhr auf zweierlei Weise:
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1) Indem sie die "Oberfläche" der Flamme vergrößerten, und zwar entweder
unter Benutzung eines Banddochtes, was dann eine kammartige Flamme
ergab, oder durch einen hohlen, röhrenförmigen Docht, dessen inneres
zusätzlich mit Luft versorgt wurde. Der Banddocht war eine Erfindung
Legers (Paris 1783), der Röhrendocht, im Prinzip ein ringförmiger
Banddocht, eine Erfindung Argands (ebenfalls 1783)
Trilux-Lenze 1987, S. 218)
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2) Argand erfand außerdem den typischen Glaszylinder, wie man ihn heute
noch von den "typischen" Petroleumlampen her kennt. Die Kaminwirkung des
Glaszylinders sorgte für einen leichten Luftzug, die Flamme wurde besser
mit Sauerstoff versorgt. |
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Ist die
laminare Flamme wirklich eine Erfindung Legers und Argands?
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In Norditalien
taucht im letzten Viertel des ersten Jh. n. Chr. eine neue
Lampenart auf. Der neue, innovative Typus wird offenbar schnell zum
"Verkaufsschlager": Bald schon wird er auch in den Töpfereien in fast
allen römischen Provinzen, zunächst in Gallien, dann im Rheinland
produziert. |
Die - im krassen
Gegensatz zu den reich geschmückten Bildlampen - schlichte und
funktional gestaltete Lampe erinnert fast an ein Produkt der Bauhauszeit
der 20er Jahre. Jedes Detail hat eine Funktion, nichts ist überflüssiger
Zierrat. |
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(Ausnahme: die "Knuppen"
auf der Lampenschulter - sie waren anfangs noch durchstochen und dienten
zum Aufhängen - später verkümmerten sie und besaßen nur noch
"dekorative" Funktion). |
Ein neues,
auffälliges Gestaltungs- oder Funktionselement taucht auf: die Kerbe
oder Rille auf der lang ausgezogenen Lampenschnauze. Wozu diente diese
Rille ?
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Bei einer so
funktionalistischen Konstruktion darf man davon ausgehen, dass auch der
"Schnauzenkanal" einen Zweck hat. Die frühen Firmalampen (Loeschke Typus
IX) sind praktisch ausnahmslos mit dieser Kerbe ausgestattet. |
Im "Nachfolgemodell"
("Loeschke Typus X") wird der "Schnauzenkanal" dann noch zum Lampenspiegel hin
geöffnet, das Prinzip bleibt ansonsten bestehen. |
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Der Autor hat am Landesamt für
Archäologie Experimente mit Nachbauten dieser Lampen gemacht. Die Versuche
zeigen, dass die Kerbe in der Firmalampenschnauze wohl kein sinnloser Zierrat
oder Atavismus ist. Zieht man nämlich einen dünnen Docht aus der Tülle
um einige Zentimeter heraus, und legt ihn um, so dass er waagerecht in
der Kerbe zu liegen kommt, so entsteht eine kammförmige, lange, dünne,
helle und nicht rußende Flamme. |
Und erstaunlicherweise ist diese lange Kammflamme sehr stabil, der Docht
brennt mehrere Stunden lang (d. h., solange noch Öl in der Lampe ist) in dieser
wagerechten Position auf voller Länge.
In der Firmalampe ist sogar die Luftzufuhr für die Kammflamme optimiert - antike
Aerodynamik: Die schrägen Seitenwände der Schnauze lassen die
aufsteigende Luft leicht zum Docht gelangen. |
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Es entstehen
weniger Luftturbulenzen, als wenn der Docht auf einer ebenen Fläche
läge: die Flamme flackert daher kaum. Außerdem vermindern die
abgeschrägten Schnauzenwände den Eigenschatten der Lampe: die Flamme
strahlt das Licht etwa im 270 Grad - Umkreis ab. |
Lichtmessungen an Nachbildungen
von Firmalampen zeigen, dass die Lichtausbeute mit ca. 0,18-0,2 Lumen/Watt bei einer
Kammflamme wesentlich höher ist als wie bei gewöhnlichen Dochten (im Durchschnitt ca. 0,1
-0,15 Lumen / Watt) ist. Haben wir es mit einer
antiken Energiesparlampe zu tun ?
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Andere, zunächst auch
angenommene, und theoretisch naheliegende Funktionen des Schnauzenkanals
scheinen nämlich auszuscheiden. Beispielsweise, dass der Kanal dazu
dient, vom Docht ausgeschwitztes, überflüssiges Öl wieder in die Lampe
zurückzuführen. Dagegen sprechen die bisherigen Experimente des Autors:
Der Docht schwitzt beim Brennen nämlich (fast) kein Öl aus, keinesfalls
soviel, dass man es in einem Schnauzenkanal sammeln könnte oder gar in
die Lampe zurückführen müsste. |
Eine
Rückflussmöglichkeit fehlt nämlich bei den Typen der ersten Generation (Loescke
IX) fast immer - hin und wieder befindet sich nur ein kleines "Entlüftungsloch"
in der Schnauze, ein kleines Löchlein, das bei den Bildlampen sogar sehr häufig
ist. Und selbst wenn ein Docht Öl ausschwitzen würde - das Öl flösse auf der
eben Fläche rings um das Dochtloch in alle Richtungen ab, und es sähe gar keine
Veranlassung, sich in den Schnauzenkanal zu begeben. |
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Was aber kann gegen die Kammflammentheorie
sprechen? Da wäre anzuführen, daß bisher eindeutige
Schmauchspuren entlang des Kanals zu fehlen scheinen.
Schmauchspuren an Lampen sind aber ohnehin sehr selten.
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Sie werden
vermutlich bei der Bodenlagerung biologisch genauso abgebaut wie die
Reste des Lampenöls selber. Bei den meisten der römischen Lampen fehlen
Schmauchspuren nämlich komplett - und anzunehmen, dass fast alle der
zahlreich erhaltenen römischen Lampen niemals gebrannt hätten, erscheint
abwegig.
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