Der Waldelefant von Gröbern


Das Auftreten des altsteinzeitlichen Menschen auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt hängt unmittelbar von den klimatischen Bedingungen ab. Während der Eiszeiten, in denen das Land Hunderte von Meter dick mit Eis bedeckt war, war kein Lebensraum vorhanden. Der Mensch betrat das Land immer erst, wenn sich das Eis zurückgezogen hatte, d.h. in den Warmzeiten (Interglazialen) zwischen den Eiszeiten oder während Wärme-perioden (Interstadialen) innerhalb von Eiszeiten.
So wurde, wenn auch im Verlauf von Jahrtausenden, beim Vorrücken des Eises Sachsen-Anhalt von den Menschen geräumt und beim Zurückweichen des Eises wieder besiedelt. Die Menschen folgten als Jäger und Sammler den Tierherden auf ihren saisonalen Wanderungen und verlagerten ihre Rastplätze. Die Jagdbeute wurde, wie der mittelpaläolithische Schlachtplatz des Waldelefanten von
Gröbern (Ldkr. Bitterfeld) gezeigt hat, unmittelbar an Ort und Stelle zerlegt.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
   

Knochen des 
"Homo erectus bilzingslebnensis"


Die ältesten Zeugnisse der Anwesenheit des Menschen in Sachsen-Anhalt stammen aus dem Ende der auf die erste (Elster-) Vereisung folgenden (Holstein-)Warmzeit und aus dem Beginn der zweiten (Saale-)Eiszeit und gehören der älteren Periode der Altsteinzeit (Paläolithikum) an (Memleben, Wangen, Burgenlandkreis; Hundisburg, Barleben, Ohrekreis; Gerwisch, Ldkr. Jerichower Land).
Sie sind mehr als 400.000 Jahre alt und wurden vom Homo erectus geschaffen, von dem sich Knochenreste bei
Bilzingsleben (Ldkr. Artern) in Thüringen gefunden haben.

 

 
   
   

Birkenpech & Feuersteingeräte aus Königsaue

In der mittleren Periode der Altsteinzeit, vor etwa 200.000 Jahren, tritt der Neandertaler in Erscheinung, der auch während der anschließenden (Weichsel-)Kaltzeit (mit Ausnahme des Hochglazials um 20.0000 v. Chr.) im Gebiet von Sachsen-Anhalt blieb (Königsaue, Ldkr. Aschersleben-Staßfurt; Petersberg, Saalkreis). Damals hatten die Gletscher Sachsen-Anhalt nicht mehr erreicht. Sachsen-Anhalt befand sich aber im unmittelbaren Vorfeld der Gletscher, wo trockenkaltes Klima herrschte.
Am Beginn der jüngeren Periode der Altsteinzeit, vor etwa 36.000 Jahren, betrat dann der moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) das Gebiet von Sachsen-Anhalt (Breitenbach, Burgenlandkreis). Bei dem trockenkalten, subarktischen Klima war das Land mit einer tundraartigen Vegetation bedeckt, in der Herden von Wildpferden, Bisons und Rentieren das Land durchquerten.
Die Funde, meist Knochen- und Steinwerkzeuge, stammen von Freilandstationen, Rastlagern, die die Gemeinschaften an für die Jagd günstigen Plätzen auf Geländespornen an Flüssen und Bächen errichteten (Saaleck, Burgenlandkreis; Galgenberg, kreisfreie Stadt Halle).

 
   
   

Die Frauenstatuetten aus Nebra


Ein solches Lager wurde auf dem Talsporn bei Nebra (Burgenlandkreis) in einer Schleife der Unstrut errichtet.
Die Geländesituation bot eine günstige Ausgangssituation für die Jagd nach Wild, das sich an dieser Stelle zur Tränke aufhielt und den Fluß durchquerte. Diese Station brachte auch die ersten Zeugnisse prähistorischer Kunst in Sachsen-Anhalt hervor.
Die drei stilisierten Frauenfigurinen mit einem Alter von 13.000 Jahren sind aus Elfenbein und Rengeweih geschnitzt. Sie wurden jeweils in einer mit Steinen abgedeckten Grube im Innern der Zelte rituell deponiert. Ihre Bedeutung könnte mit dem Herdfeuer in Verbindung gestanden haben. Das Herdfeuer war in einer Zeit eisiger Kälte lebensnotwendig. Erlosch es, drohte der Erfrierungstod. Die Pflege des Herdfeuers oblag den während der Jagd in den Zelten verbleibenden Frauen, so daß die vergöttlichte Bewahrerin des Herdfeuers noch in römischer Zeit (Vesta) in Frauengestalt verehrt wurde.