In der späten Bronzezeit
(1300-720 v.Chr.) kristallisierten sich im Mittelelbe-Saale-Gebiet vier Kulturen mit unterschiedlichen Siedlungsgebieten heraus: die Lausitzer Kultur, die Saalemündungsgruppe, die Unstrut- und Helmsdorfer Gruppe.

Die Verbreitung der Lausitzer Kultur endete im Westen an der Mulde und an der Weißen Elster. Westlich der Mulde siedelte die Saalemündungsgruppe. Sie umfasste im Westen das Nordharzvorland und im Osten das Zerbster Land.

 
   
   

Unstrutgruppe
 Die Bronzetassen von Braunsbedra

Helmsdorfer Gruppe
Ein Stiergefäß aus Quenstedt

 

Saalemündungunsgruppe
Eine Bronzezeitliche Gebläsedüse mit Gesichtsdarstellung aus Polleben

 
           
 
   

Die Nordgrenze verlief in Höhe der Ohremündung, wo die Saalemündungs-gruppe auf die Elb-Havel-Gruppe stieß. Im Süden überschritt sie östlich der Saale die Fuhne, während sie westlich des Flusses bei Bernburg an die Helmsdorfer Gruppe grenzte.
Die Unstrutgruppe nahm den Süden Sachsen-Anhalts bis in die Höhe von Halle und Eisleben ein.

Die Kulturgruppen des Mittelelbe-Saale-Gebietes erweisen sich durch die Bevorzugung der fruchtbaren Lößgebiete, durch Seßhaftigkeit, durch die Funde von Erntegeräten (Sicheln, die offenbar auch als standardisiertes Zahlungsmittel dienten) und landwirtschaftlichen Erzeugnissen als bäuerlich. Zum Ackerbau trat die Viehhaltung hinzu. Sie dürfte vor allem in den sandigen Gebieten, wie dem Fläming oder der Dübener Heide, die nun erstmals besiedelt wurden, eine bedeutendere Rolle gespielt haben.

 
 

Helmsdorfer Gruppe
Schmelztiegel aus Kleinjena


 
           
 
   

In der späten Bronzezeit läßt sich erstmals eine Begrenzung von Siedlungsgebieten und Wirtschafts-flächen nachweisen.

Die Ausgangsprodukte der Bronze (Kupfer und Zinn) waren nur in wenigen Gebieten wie dem Harz und dem Erzgebirge vorhanden. Bronze-gegenstände mit regional- und kultur-spezifischem Charakter bezeugen aber auch in Gebieten ein spezialisiertes Bronzehandwerk, die über keine Rohstoffe verfügten. Dies läßt auf eine Versorgung mit Bronze über Handelsrouten auf dem Überlandweg sowie auf und entlang den Flüssen schließen. Auf denselben Routen kamen auch Importe nach Mitteldeutschland (Bothenheilingen, Unstrut-Hainichen-Kreis, Thüringen). Besitz und Verteilung begehrter Güter förderten kulturelle und soziale Unterschiede. Während der Spätbronzezeit entstanden kleinere Befestigungen, die die Funktion von Hauptorten ausübten und Märkte an sich zogen, in denen landwirtschaftliche Erzeugnisse gegen handwerkliche Güter eingetauscht wurden.

 
   
   

Die Bronzeschwerter von Bothenheiligen

Unstrutgruppe

     
           
 
   

So lassen sich im Umfeld der Befestigungen mitunter Hortfunde feststellen, die als Tresore gedient haben dürften. Zweiteilige Anlagen mit befestigter Außensiedlung und Burg im Inneren deuten auf eine soziale Gliederung der Bewohner im Siedlungswesen hin, die sich über die Grabsitte nur selten erschließt.

Der Reichtum des Mittelelbe-Saale-Gebiets dokumentiert sich in der Spätbronzezeit hauptsächlich über Hortfunde. Deren Bedeutung war von unterschiedlicher Art: Sie bildeten Schätze von Familien oder Sippen, Depots von Händlern oder Bronzegießern, Gaben an die Götter, Zeremonialgeräte von Männerbünden (Bothenheilingen, Unstrut-Hainichen-Kreis, Thüringen) oder Kultgemeinschaften.

 
 

Kultobjekt
Die Goldschale von Krottorf


Grabbeigabe
Der Goldarmring aus Schneidlingen